6. Meisterschaftsrunde 2. Mannschaft

Matchbericht der Unihockeyrunde vom Sonntag, 6. Februar 2017

Heute wäre es soweit, Leuenberger sollte mit Anzug und Krawatte an der Seitenlinie stehen, wie er es vor der dritten Meisterschaftsrunde versprochen hat. Doch nicht etwa in edlem Zwirn, sondern in Jeans und Trainerjacke bekommen ihn die Fans zu Gesicht. Wir wollen ihn an dieser Stelle keineswegs als Lügner betiteln, nein, das hat die Mannschaft zu verantworten, denn die Bedingung war, bis zur Heimrunde sechs Punkte auf dem Konto zu haben. Dieses doch eher bescheidene Ziel wurde verfehlt. Die Gäuer finden sich mit fünf Zählern auf dem zweitletzten Platz in der Tabelle wieder. Vor der Saison hätte man sich im oberen Mittelfeld gesehen, wollte den Aufstiegskandidaten das Leben schwer machen. Doch die Realität sieht anders aus, anstatt für Sorgenfalten, sorgt man eher für Freudensprünge bei den Gegnern. Doch heute will man den ersten Schritt in Richtung Klassenerhalt machen und die Heimrunde bietet die beste Gelegenheit dazu.

Die heutigen Kontrahenten sollten Motivation genug sein. Im ersten Spiel muss man sich mit dem STV Kappel messen, die beiden Teams werden durch zwei Punkte voneinander getrennt. Durch einen Sieg würde man gleichziehen. Im zweiten Spiel wartet der TSV Deitingen, auf den die Gäuer bereits letzte Runde traf und man zeigte in diesem Spiel zum ersten Mal, welche Klasse wirklich in diesen jungen Männern steckt. Ein Dorn im Auge von Headcoach Leuenberger und seinem Trainerstab sind aber die Abwesenden. Ackermann, drittplatzierter in der Scorerliste, und Wiemann, Winter-Neuzugang, halten sich derweil in den Vereinigten Staaten auf. Sie bestreiten momentan eine Eishockey-Trainingswoche bei den Nashville Predators. Natürlich wollen wir nur das Beste für unsere Spieler und wünschen Ihnen viel Erfolg, jedoch hoffen wir auch, dass sie bald die Kufen an den Nagel hängen und zu der Mannschaft zurückkehren. Weiter muss auf Ingold, der sich wahrscheinlich in den Schweizer Alpen verlaufen hat, auf den kränkelnden Jäggi und auf den Asien-bereisenden Erni verzichtet werden.

Unihockey Kestenholz-Niederbuchsiten II vs. STV Kappel II

Die Devise im ersten Spiel ist klar: Ein Sieg muss her! Kappel befindet sich zwei Zähler vor den Hausherren, durch einen Sieg schliesst man zu ihnen auf und kann hoffentlich den Abstand zum Tabellenschlusslicht Härkingen vergrössern. Trotz der frühen Anspielzeit scheint der UH Kestenholz-Niederbuchsiten hellwach zu sein, was vermutlich an den zahlreichen Heimfans liegt. Bereits früh erzielt Grütter nach herrlichem Zuspiel von L.Hauri das 1:0. So kann es weitergehen! Doch der Schein trog, wenige Sekunden nach dem Führungstreffer kehrt man zum alten Verhaltensmuster zurück. Man ist immer einen Schritt zu spät, geht Zweikämpfen aus dem Weg und lässt dem Gegner zu viel Platz. Kein Wunder geht Kappel ohne grossen Aufwand 2:1 in Führung. Doch noch ist nicht Pause, leider! Wieder entwischt dem Heimteam ein Gegner, Lukas Hauri versucht das Schlimmste zu vermeiden und versucht dem Gegner von hinten den Ball abzunehmen. Penalty! Henzirohs, der sich diese Saison noch von keinem Penalty geschlagen geben musste, wird vom Gegner ausgetanzt. Schiedsrichterexperte Flury meinte nach dem Spiel, dass es eine harte Entscheidung war.

In der Pausenansprache sind harte, aber leider wahre und vor allem bitter nötige Worte zu hören. Leuenberger versucht der Mannschaft klar zu machen, was alles auf dem Spiel steht. Die zweite Hälfte beginnt verheissungsvoll, Kohli schnappt dem Gegner die Kugel von der Schaufel und trifft zum Anschlusstreffer. Beim nächsten Einsatz der Linie rund um Kohli kommt Bürgi an den Ball, sieht zu seiner Rechten Kohli aber entscheidet sich, es selbst zu versuchen. Der äusserst dürftige Schuss findet sogar noch den Weg ins Tor. Ausgleich! Kann die Heimmannschaft das Momentum aufrecht erhalten? Passend zu der Saison lautet die Antwort Nein. Wenige Minuten nach Wiederanpfiff den Ausgleich erzielt und doch bricht die Mannschaft ohne ersichtlichen Grund wieder ein. Man verfällt in alte Muster, lässt den Gegner gewähren und Henzirohs muss Mal um Mal hinter sich greifen. Am Schluss steht es 3:7 und zurück bleiben ratlose Gesichter bei Spielern, Fans und beim Trainerstab.

Auf dem Weg in die Kabine meinte Leuenberger:

«Man hat gesehen, wie Abstiegskampf geht. Leider haben wir das nicht gezeigt, sondern der Gegner»

Das muss man dem STV Kappel neidlos anerkennen. Vor dem zweiten Spiel hat die Mannschaft die Möglichkeit noch ein Auge auf das Tabellenschlusslicht aus Härkingen zu werfen. Auch die scheinen zu wissen, wie Abstiegskampf geht. Mit enorm viel Engagement führen sie zwischenzeitlich mit zwei Toren gegen Kappel. Wir hoffen, dass Kestenholz-Niederbuchsiten den Ernst der Lage nun auch erkennt…

Unihockey Kestenholz-Niederbuchsiten II vs. TSV Unihockey Deitingen III

Nach einem Spiel bereits von einem Lieblingsgegner zu sprechen ist natürlich überspitzt formuliert, aber gegen den TSV Deitingen zeigten die Gäuer an der letzten Spielrunde eine Wahnsinnsleistung! Man hat sich dem äusserst temporeichen Spiel angepasst und konnte mehr als mithalten. Da liegt aber auch das grösste Problem, Anpassung. Grundsätzlich lässt man den Gegner das Spiel gestalten und vergisst dabei seine eigenen Qualitäten. Gegen Deitingen hat das ausnahmsweise funktioniert, heute auch?

Die Partie beginnt wie erwartet, Deitingen schlägt ein hohes Tempo an aber die Gäuer sind präsent! Lukas Hauri gewinnt einen wichtigen Zweikampf, schaltet blitzschnell um und trifft zur Führung. Für solche Momente hat ihn Leuenberger im Transferfenster geholt! Es scheint als wäre die gesamte Mannschaft ausgewechselt worden, dem Gegner lässt man keinen Raum, die Zweikämpfe werden angenommen und die wichtigen Wege werden gemacht. Es ist ein völlig offenes Spiel, die Torhüter können sich auf keinen Fall über Unterbeschäftigung beschweren. Leider ist das Glück noch auf Seiten der Wasserämter und das doppelt. Aber folgende Szene zeigt, wie entschlossen die Kestenholz-Niederbuchsiter sind. Lukas Hauri gerät während einem Laufduell über den ganzen Platz ins Straucheln, fällt zusammen mit dem Gegenspieler zu Boden. Gegner und Zuschauer gehen von einem Spielunterbruch aus, aber nicht Grütter. Dieser reagiert am schnellsten, holt sich den frei liegenden Ball hinter dem Tor vollendet mit dem Buebetrickli. Dieses Schlitzohr! Weiterhin gestaltet sich das Spiel als offenen Schlagabtausch, doch die Gäste können kurz vor der Pause noch zum 2:4 erhöhen. Zwar geht es mit einem Rückstand, aber mit einem positiven Gefühl in die Pause, jeder weiss was hier möglich ist.

Im Gegensatz zum ersten Spiel kann Leuenberger auf viele Worte verzichten. Die Spieler scheinen fokussiert und gewillt, der Abstiegskampf scheint angenommen. Das zeigt sich wenige Augenblicke nach Wiederanpfiff auf dem Platz. Thomas Hauri setzt Kälin in Szene und der vollstreckt. Die Gäuer sind dran! Wie auch in der ersten Hälfte ist es ein reges hin und her. Während eines weiteren sauber aufgetragenen Angriffs steigt Lukas Hauri in gewohnter Fussballermanier hoch, nimmt den Ball runter und schon ist es passiert. 2-Minuten Strafe. Eine mindestens diskussionswürdige Entscheidung, denn normalerweise hat ein Sprung nur einen Freistoss zur Folge. Doch weder die Spieler, noch die Fans vom UHKN reklamieren, im Gegenteil, es herrscht Stille. Ist das der Genickbruch?

Noch gibt das Team nicht auf, nicht in diesem Spiel! Die Unterzahl wird äusserst stark verteidigt, man kann sich sogar von Zeit zu Zeit entlasten. Was jetzt folgt, kommt einem Märchen gleich. Flury spürt scheinbar, dass der Torhüter der Wasserämter unkonzentriert ist und so versucht er sein Glück vom eigenen Tor aus. In hohem Bogen fliegt die Kugel gen Tor und… und… zappelt doch tatsächlich im Netz! Weder der Goalie, noch die Fans, nein nicht mal Flury selbst kann glauben, wie der Ball den Weg ins Tor gefunden hat! Ist auch egal! Ausgleich und das in Unterzahl, unfassbar. Leuenberger versucht die Mannschaft nochmals zu beruhigen, ein Punkt ist in diesem Spiel, mit diesem Spielverlauf genug! Aber das hören die Spieler nicht, wie denn? Die Fans, unter ihnen Präsident Daniel Ryser, der sich vor lauter Nervenkitzel kaum auf den Beinen halten kann, peitschen die Mannschaft mit Gesängen weiter nach vorne. Beflügelt von der grossartigen Unterstützung greifen die Gäuer weiter an, müssen sich aber vor den schnellen Kontern in Acht nehmen. Die letzten Minuten laufen, Flury, der scheinbar einen blendenden Tag erwischt hat, sieht noch ein Mal Kohli, dieser fasst sich ein Herz, drückt ab und erzielt doch tatsächlich die Führung! Die Halle tobt! Aber das Spiel ist noch nicht vorbei, wenige Sekunden sind noch zu spielen, die Wasserämter sind mittlerweile zu viert auf dem Spielfeld und schieben sich den Ball in den eigenen Reihen hin und her. Wie wir aus unseren Kinderzeiten wissen enden gewiss nicht alle Märchen mit einem Happy End, so auch das. 9 Sekunden vor Schluss gelingt es den Wasserämtern tatsächlich Henzirohs noch einmal zu überwinden. Hängende Köpfe sind nach dem Schlusspfiff zu sehen. Leuenberger nimmt seine Jungs noch einmal zusammen und führt ihnen vor Augen, was für eine klasse Partie sie hier gespielt haben! Das Ergebnis ist zwar ein wenig enttäuschend, die Leistung war aber beeindruckend!

Nach dem Spiel fragte man Leuenberger, warum man nur in wenigen Spielen zeigen konnte, zu was man fähig ist:

 «Wenn wir ins Rollen kommen, wird es für die Gegner schwierig. Leider kommen wir so selten ins Rollen.» 

Und zum potenziellen Abstieg meinte Flury:

«Jetzt haben wir noch drei Spielrunden und viel harte Arbeit vor uns. Und wenn wir am Ende den Nichtabstieg erreicht haben, trinke ich eine Woche durch!»

 Na dann wollen wir doch mal hoffen… Ach und übrigens, Gratulation an Uebelhard zum gesunden Kälbli, welches an diesem Tag das Licht der Welt erblickt hat. Falls ihr noch nach einem Namen sucht, wir würden es nach Flury benennen!